Historie der Tennisabteilung - von Jochen Scholtis

Chronologie der Aufbauphase der Tennisabteilung des SV Blau-Weiß Hand e.V.

Als ich, Joachim Scholtis, erster Abteilungsleiter Tennis, Mai 1974 mit meiner Familie von Köln nach Bergisch Gladbach-Hand zog, wirkte hier der 1973 neugegründete “Blau-Weiß” (im Folgenden kurz “SV” genannt) im wesentlichen als Fußballverein mit einer größeren Freizeitabteilung. Als Tennisinteressierter sprach ich den Vereinsvorstand (damals die Herren Franz-Josef Blum, Vorsitzender, Willi Schüßler, 2.Vorsitzender und Wilhelm Aenstoots, Kassierer) an und schlug vor, eine Tennisabteilung zu gründen. Denn ich wußte, dass die Stadt im Bereich der Paffrather Mühle Tennisplätze ausgewiesen hatte. Man zeigte sich aufgeschlossen und ließ mich gewähren. Das war nicht selbstverständlich, denn es war von Anfang an klar, dass erhebliche Investitionen anfallen würden und der SV, der keinerlei Vermögen besass (Vorstandssitzungen fanden reihum in Privatwohnungen statt), darauf nicht zugeschnitten war. Nachdem ich ein paar weitere Tennisinteressierte geworben hatte, kam es in der Mitgliederversammlung des SV in der Diepeschrather Mühle am 27.09.1975 zur Gründung der Tennisabteilung und ich wurde zum kommissarischen Abteilungsleiter bestimmt. Ich berief alsbald eine Abteilungsversammlung ein und wurde zum Abteilungsleiter gewählt. Nunmehr konnte der SV die Stadtverwaltung erfolgreich (es gab einen Konkurrenten!) ersuchen, uns das ausgewiesene Gelände für die Errichtung einer Tennisanlage nebst Vereinshaus zuzusichern. Damals gehörte das heutige Gelände zum damaligen “Bauernhof” Paffrather Mühle und war eine Obstweide.

Es stand fest, dass es Jahre dauern würde, ehe wir auf eigenen Plätzen Tennis spielen konnten. Für die Übergangszeit war uns von der Stadt erlaubt worden, zeitweise Schulsportgelände zu nutzen. Zuerst,und zwar ab 6.3.1976, bespielten wir die nicht eingezäunten(!) Mehrzweck-Tartanplätze der Realschule Ahornweg, jedoch nur dienstags und donnerstags Nachmittag und an den Wochenenden. Pfosten und Netze mußten wir selbst stellen und jeweils neu auf- und abbauen. Schon damals war ein Abteilungsbeitrag zu leisten. Es galt ja Kapital anzusammeln. Am Ahornweg haben wir 2 Jahre (76/77) gespielt, danach 2 Jahre (78/79) auf dem Schulsportgelände “IGP”. Damals waren dort noch keine Tennisplätze eingerichtet; auch hier mußten wir jedes Mal Pfosten und Netze auf- und abbauen.

RuppelOktober 1979 endlich konnten wir loslegen. Spätestens hier jetzt ist Helmut Ruppel einzuführen. Er war bereits 1976 der Tennisabteilung beigetreten und war von Anfang an maßgeblich als Planer, Rechner und Koordinator tätig. Seine wertvolle Arbeit erbrachte er als Sportwart des Gesamtvereins. Von Anfang an war die Anlage so geplant, wie sie in heutiger Gestalt endlich 1987 fertiggestellt war, die spätere Gymnastikhalle ausgenommen.

Zuerst fällten wir die Obstbäume und schoben den Mutterboden ab in Eigenleistung mit Hilfe selbstloser Gestellung eines riesigen Räumers durch ein Vereinsmitglied.

Hier die einzelnen Bauphasen:

jochenDie 5 Plätze 2-6 konnten Mai 1980 eingeweiht werden; die restlichen 4 dann im August. Ende 1980 war das Umkleidegebäude fertig. Es umfasste bereits die heutige Geschäftsstelle, damals, bis zum Bezug des Vereinshauses, alsAufenthaltsraum genutzt. Das Umkleidegebäude ist zum größten Teil in Eigenleistung errichtet worden, mit Hilfe von vereinsnahen Fachkräften. Diese Bauphase verschlang rund 1 Mio. DM, aufgebracht durch angespartes Eigenkapital, Zuschüsse von Stadt und Land, durch Darlehen der “Paffrather”, für die die Stadt bürgte, durch ein weiteres Darlehen über 60.000 DM, für das mit je 12.000 DM die 3 eingangs genannten Vorstandsmitglieder, Herr Ruppel und ich bürgten, sowie erhebliche Eigenleistungen (siehe weiter unten!).

Schon bald gingen Helmut Ruppel und ich an die Planung der vereinseigenen 4-Platz-Tennishalle. Wir überzeugten den staunenden Vorstand, dass sich die Halle selbst tragen würde. Mit einem Rechtsgutachten beruhigte ich den Vorstand, dass dieser, sollte der Verein wider Erwarten in finanzielle Schieflage geraten, persönlich nicht haften würde, weil ihm ja auf Grund unserer gewissenhaften Planung und Kalkulation nie Vorsatz oder grobe Fahrlässigkeit (einzige Haftungsgründe) vorgeworfen werden könnten. Für die Halle waren 1,5 Mio. DM veranschlagt; es gab keine Zuschüsse mehr, nur ein zinsloses Darlehen des Landes über 300 000 DM. Abgesichert waren die Darlehen durch eine Grundschuld, lastend auf dem Gelände der Halle, des späteren Vereinshauses und der Parkplätze. Zu diesem Zweck ist auf dem insgesamt städtischen Gelände ein Erbbaurecht eingerichtet worden. Als Erbbauberechtigter zahlt der Verein an die Stadt einen Erbbauzins. Das übrige Gelände, also das der Plätze, haben wir nur gepachtet. Baubeginn der Halle war Febr. 1983, die Einweihung war dann am 30.10.1983.

Bei der Finanzierung gingen wir von 75% Winterauslastung aus und von einer auf 670 aufgestockten Mitgliederzahl. Beides war leicht zu erreichen. Es war ja die Zeit des Tennisbooms (Boris Becker und Steffi Graf!).Trotz damals hoher Abteilungsbeiträge von jährlich 400/260 DM für Ehepaare/Einzelpersonen und einer Aufnahmegebühr von 910/520 DM(!) gab es eine lange Warteliste, aus der nach einem Punktsystem neue Mitglieder aufgenommen wurden.

Nach einer längeren Planungs-und Ruhezeit gingen wir 1987 den Bau des Vereinshauses nebst Einliegerwohnung an. Dieses konnte am 28.05.1988 eröffnet werden. Der Vorstand bezog den bisherigen Aufenthaltsraum im Umkleidegebäude als Büro, ich den kleinen Raum unter der Treppe als Abteilungsbüro. Wir waren damals sehr selbständig und hatten endlich einen angemessenen Gastraum mit ständiger Bewirtung und einen Hausmeister in der Einliegerwohnung. Der Hausmeister war leider nicht sehr effektiv; ich hatte mir viel von ihm versprochen. Gott sei Dank hatten wir aber einen Andre Hirth, der, Abteilungsmitglied der ersten Stunde, als Platzwart jahrelang unbezahlbare, weit über seine Aufgabe hinaus beste Dienste leistete.

Die Kosten des Vereinshauses beliefen sich auf ca. 860.000 DM, finanziert durch Zuschüsse von Stadt und Land und weitere Darlehsaufnahmen. Damit stand unsere Tennisanlage mit Vereishaus mit einem Wert von ca. 3,4 Mio DM: 1 Mio. Aussenanlage, 1,5 Mio Tennishalle und 0,86 Mio Vereishaus.

Nun aber noch ein paar gewichtige Sätze zur Aussenanlage, denn mit Ausnahme der Plätze selbst mit deren Umzäunung und der Flutlichtanlage ist alles andere in jahrelanger Eigenleistung geschaffen worden: der hintere Durchgang vom Umkleidegebäude zur Halle, die Aussenzäune, die Bepflanzung (Bäume holten wir mit Zustimmung des Försters aus dem nahen Wald), die Wege, die Tribünen, die Parkplätze, die Kanalisation, die Grillhütte, die leider jetzt verkommene Boulebahn und vieles mehr. Bewerkstelligt worden ist das duch Mitarbeit von Abteilungmitgliedern und mit Hilfe von abteilungsnahen Unternehmern, die uns selbstlos ihr Wissen nebst Gerätschaften zur Verfügung stellten. Klar, nicht immer waren sie begeistert, wenn ich sie mal wieder um Hilfe bat!

Hier jetzt ist in erster Linie der ortansässige Gartenbauunternehmer Jürgen Schumann zu nennen, der leider früh verstorben ist. Er kam über Jahre hin regelmäßig samstags mit dem notwendigen Arbeitsgerät und bis zu 3 seiner Mitarbeiter. Er plante die Aussengestaltung nebst Anpflanzung, steuerte auch wertvolles Baummaterial bei und half bei deren Durchführung.Wir Abteilungsmitglieder waren die Handlanger. Jedes erwachsene Mitglied musste jährlich zweimal samstags zur Arbeit erscheinen; wer das nicht wollte, konnte sich durch Zahlung von 25 DM “freikaufen”. Mit diesem Geld haben wir die von Herrn Schumann gestellten Mitarbeiter entlohnt. Weitere Zahlungen sind nicht erfolgt!

Ich habe bewusst keine weiteren verdienstvolle Unternehmer und Gönner genannt. Die Liste wäre lang und die Gefahr gross, dass ich welche vergessen könnte. Jürgen Schumann war eine überragende Ausnahme. Hiermit bedanke ich mich aber nochmals im Namen des Vereins bei all den vielen, die zum Gelingen so grosszügig beigetragen haben.

Als ich endlich in der Abteilungsversammlung am 21.01.1994 (nach fast 19 Jahren Tätigkeit) mein Amt als Abteilugsleiter in andere Hände übergab, waren die Finanzen der Tennisabteilung und damit auch die des Gesamtvereins geordnet. Leider änderte sich das im Laufe der späteren Jahre, die Gründe sind den meisten Mitgliedern bekannt. Wegen erheblicher Zahlungsschwierigkeiten setzte das Amtsgericht Bensberg endlich am 20.10. 2007 einen externen Notvorstand ein. Die Zwangsverwaltung dauerte bis 26.02.2008. Zu diesem Zeitpunkt waren die Weichen so gestellt, dass der neue nun wieder vereinsinterne Vorstand, geführt von Rainer Adolphs, mit Geschick und Entschlusskraft die Gesundung des Vereins einleiten und schliesslich erreichen konnte.

Ich wünsche dem Verein und insbesondere der Tennisabteilung weiterhin sportlich und finanziell alles Gute. Ich spiele, obwohl jetzt 77 Jahre alt, immer noch begeistert Tennis.

Bergisch Gladbach, den 8.4. 2014

Joachim Scholtis